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Wie telefonieren Gehörlose?

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 Ein Telefonat über den Gebärdensprachdolmetschdienst von Tess

 

Hintergrundinfos zum Thema Hörschädigung


Rendsburg. Frau S. ist von Geburt an taub. Sie kennt die Welt nur ohne Ton. Ohne Vogelzwitschern, Musik oder Kinderlachen. Frau S. stört das nicht, sie nimmt die Welt anders war. Nicht schlechter, vielleicht in vielen Momenten intensiver. Doch in einer Welt, die von hörenden Menschen dominiert wird, stößt sie auch auf Barrieren, vor allem in der Kommunikation. Durch ihre Gehörlosigkeit hat Frau S. das Sprechen nicht erlernt und versteht viele Wörter nicht, auch wenn sie geschrieben sind. Sie kann von den Lippen ablesen, aber nur 20 Prozent auch Worten zuordnen. Der Rest wird im Kontext verstanden. Frau S. benutzt die Deutsche Gebärdensprache, mit der sie alles ausdrücken kann, was sie möchte. Doch Kommunikation funktioniert nur mit Menschen, die diese Sprache verstehen. Bei wichtigen Terminen beim Arzt oder Anwalt helfen ihr Gebärdensprachdolmetscher, die jedoch teuer und nicht immer verfügbar sind.

Ein normales Telefonat um einen Termin zu vereinbaren oder eine Pizza zu bestellen hat, sie noch nie geführt. Wie auch, sie hört ja nichts und über das Bildtelefon kann sie nur gebärden. Doch heute telefoniert sie das erste Mal in ihrem Leben mit einem hörenden Menschen.

Frau S. sitzt vor ihrem PC und gebärdet in die kleine Webkamera, die auf ihrem Schreibtisch steht. Über den Bildschirm sieht sie eine Dolmetscherin, die ihr mit Gebärden antwortet. Die Dolmetscherin spricht gleichzeitig in das Mikrofon ihres Headsets, denn sie telefoniert mit der hörenden Oma von Frau S. „Doch Oma, so etwas gibt es jetzt“, übersetzt die Dolmetscherin gerade die Gebärden von Frau S. für die verblüffte Oma. Gemeint hat sie den Telefonvermittlungsdienst der Tess – Relay-Dienste.

Seit 2006 bietet Tess Telefondolmetschen in Gebärden- oder Schriftsprache an – sieben Tage die Woche von 8-23 Uhr. Beauftragt wurde Tess von der Bundesnetzagentur und führenden Telekommunikationsunternehmen. Ziel ist es, hörgeschädigten Menschen barrierefreien Zugang zur öffentlichen Telekommunikation zu ermöglichen. Mittlerweile nutzen über 600 hörgeschädigte Menschen den Telefonvermittlungsdienst für private oder berufliche Gespräche. Unter ihnen sind gehörlose, ertaubte, stark schwerhörige und an Taubheit grenzend Schwerhörige.

In Deutschland leben Millionen hörbehinderte Menschen, deren Gehör in unterschiedlicher Weise beeinträchtigt ist. Die Dunkelziffer unter schwerhörigen Menschen ist sehr groß. Knapp 300.000 Menschen sind so stark hörgeschädigt, dass ihnen aufgrund ihrer Hörbehinderung ein Schwerbehindertenausweis zuerkannt worden ist. Unter ihnen sind ca. 80.000 von frühester Kindheit an gehörlose Menschen.

Gehörlos bedeutet, dass vor dem Abschluss des Lautspracherwerbs, in der Regel das 5. Lebensjahr, das Hörvermögen verloren oder man taub geboren wurde. Diese Menschen haben niemals ein Geräusch gehört und dadurch auch große Schwierigkeiten, die Lautsprache richtig zu erlernen. Gehörlose Menschen sind kommunikativ visuell orientiert. Ihre Muttersprache ist die Deutsche Gebärdensprache, die 2002 offiziell als eigene Sprache anerkannt wurde. Sie unterscheidet sich in Grammatik und Satzstellung völlig von der deutschen Lautsprache. Gehörlose Menschen haben dadurch oftmals Schwierigkeiten, schriftliche Inhalte ausreichend zu verstehen. Um ihnen das Telefonieren mit hörenden Menschen so einfach wie möglich zu machen, bietet Tess den Dolmetschdienst TeSign an, bei dem sie in Gebärdensprache telefonieren und das Telefonat von einem Gebärdensprachdolmetscher in Lautsprache übersetzt wird.

Die andere große Gruppe der hörbehinderten Menschen sind die schwerhörigen, ertaubten und an Taubheit grenzend schwerhörigen Menschen. Sie haben nach dem Lautspracherwerb eine Hörschädigung erfahren. Sie sind meist hörend sozialisiert und akustisch orientiert und erlernen deshalb nicht die Gebärdensprache. Der Schriftdolmetschdienst TeScript ermöglicht ihnen, in Schriftsprache oder begleitend mit Lautsprache (Voice carry Over) zu telefonieren und sich das Telefonat so übersetzen zu lassen. Die beiden Relay-Dienste können über PC, Bildtelefon, SIP-Telefon, Mobiltelefon und Schreibtelefon angerufen werden.

Pressemeldung als PDF-Download.

 

Kontakt zur Pressestelle:

Nadine Brohm

Tel. 0 43 31 58 97 24

Email: brohm@tess-relay-dienste.de

 

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